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Systemisches Coaching und Familienaufstellung | Magdeburg

Mein erster Lebenswendepunkt: Der Sprung aus dem Dorf

Ich begleite Menschen wie dich an entscheidenden Lebenswendepunkten. Und heute möchte ich mal die Seiten wechseln und dir von meinen eigenen erzählen. Denn wenn ich ehrlich zurückblicke, gab es in meinem Leben fünf große Wendepunkte – Momente, an denen sich alles verändert hat, an denen ich eine Entscheidung treffen musste (oder eine Entscheidung mich getroffen hat). In den nächsten Beiträgen nehme ich dich mit auf diese Reise. Heute geht es um den ersten.

Achtzehn Jahre im selben Dorf

Ich bin in einem kleinen Dorf in Sachsen-Anhalt aufgewachsen. Nicht nur aufgewachsen – ich bin dort geblieben. Die ersten achtzehn Jahre meines Lebens habe ich an ein und demselben Ort verbracht. Keine Umzüge, keine Ortswechsel. Meine komplette Kindheit und Jugend spielte sich in diesem einen Dorf ab.

Das klingt vielleicht unspektakulär – aber genau das macht es für mich im Rückblick so besonders. Ich hatte eine feste Basis, einen festen Rahmen. Und dann, von einem Moment auf den anderen, habe ich diesen Rahmen komplett verlassen.

Ein ganzes Schuljahr auf der Suche

Was viele nicht sehen, wenn sie nur das Ergebnis kennen: Diesem Aufbruch ging ein ganzes Schuljahr voller Suche voraus. Schon mit siebzehn war mir klar, dass ich für ein Jahr ins Ausland gehen wollte. Also habe ich mich bei verschiedenen Organisationen beworben, war auf Berufsmessen und Informationsveranstaltungen, habe mir Möglichkeiten angeschaut und wieder verworfen.

Mein ursprünglicher Plan war ein Freiwilligendienst mit dem SCI in Schottland. Ich war beim Auswahlseminar dabei – und wurde am Ende nicht genommen. Das hat mich damals sehr enttäuscht, ich konnte es kaum nachvollziehen. Heute sehe ich das ganz anders: Ich bin im Nachhinein froh, dass es nicht geklappt hat. Denn dadurch war der Weg frei für etwas, das am Ende viel besser zu mir gepasst hat. Ob es mir in dem Projekt in Schottland genauso gut ergangen wäre, weiß ich bis heute nicht.

Den entscheidenden Hinweis bekam ich schließlich eher zufällig, über einen Kontakt meiner Mama: Der Sohn einer Bekannten hatte selbst einen Freiwilligendienst über die Organisation „wir“ gemacht. Ich habe mich beworben, es ging alles recht knapp und kurzfristig zu. Statt eines klassischen Bewerbungsgesprächs gab es eher ein Kennenlernen, auf dessen Basis sie mich dann in das Projekt gesteckt haben, in das sie mich am besten passend fanden. Und ich muss sagen: Sie hatten ein sehr gutes Händchen. Ich habe mich in England von Anfang an sehr wohlgefühlt.

Drei Tage nach dem 18. Geburtstag: Auf und davon

Es ging dann Schlag auf Schlag: Zwei Tage nachdem ich mein Abitur in der Tasche hatte, war mein achtzehnter Geburtstag. Und nur drei Tage später saß ich schon auf dem Weg zu meiner ersten großen Reise – raus aus dem Dorf, raus aus Deutschland, rüber nach England.
 

Ich habe dort einen Europäischen Freiwilligendienst gemacht und in einem jüdischen Dorf mit Menschen mit Behinderung gearbeitet. Es gab dort ganz unterschiedliche Wohnhäuser, und wir – insgesamt zehn Freiwillige – haben zusammen in einem großen Haus gelebt. Das hatte seine Vor- und Nachteile, keine Frage. Aber unterm Strich war es eine wirklich schöne, bereichernde Zeit. Auch meine Aufgaben dort haben mir viel gegeben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie sich eine Ahnung langsam zu einer Richtung formt

Als ich dort anfing, wusste ich noch nicht, was ich eigentlich beruflich machen wollte. Es gab keinen fertigen Plan, keine klare Vision. Aber genau das ist es, was ich rückblickend so wertvoll finde: Diese Richtung hat sich nicht auf einen Schlag gezeigt, sondern ist im Laufe des Jahres ganz langsam gewachsen.

Weil mir die Arbeit mit den Menschen dort so viel Freude gemacht hat, kristallisierte sich immer deutlicher heraus, dass ich mir vorstellen konnte, in einem pädagogischen Bildungskontext zu arbeiten. Nicht weil ich es von Anfang an „wusste“ – sondern weil ich es erlebt und gespürt habe.

Der erste Plan – und die erste große Absage

Mit dieser Erkenntnis im Gepäck wollte ich anschließend Förderpädagogik oder Heilpädagogik in Thüringen studieren. Ich hatte einen Plan. Ich hatte eine Richtung.

Nur: Er ist nicht aufgegangen. Ich wurde überall, wo ich mich beworben hatte, abgelehnt.

Und genau hier, an diesem Punkt, endet mein erster Wendepunkt – mit einem Plan, der nicht funktioniert hat, und einer offenen Frage, wie es weitergehen sollte.

Was dieser erste Wendepunkt für mich bedeutet

Wenn ich heute auf diese Zeit schaue, sehe ich vor allem eins: Ich habe gelernt, dass man einen festen Ort, eine vertraute Umgebung verlassen kann, ohne sofort zu wissen, wohin die Reise am Ende führt. Dass sich Klarheit oft nicht schlagartig einstellt, sondern sich Schritt für Schritt herauskristallisiert – durch das, was man tut, nicht durch das, was man sich ausdenkt. Und dass eine Absage, so hart sie im Moment auch trifft, nicht das Ende einer Richtung sein muss, sondern manchmal erst den Raum für den richtigen Weg schafft.

Für das Jahr in England habe ich einen Blog begonnen. Falls du nachlesen möchtest, wie es mir damals ging und was mich bewegt hat: https://gbiswaitingforme.wordpress.com/ 

Für dich, wenn du gerade an einem ähnlichen Punkt stehst

Vielleicht stehst du selbst gerade an so einer Schwelle – vor dem Schulabschluss, vor einer Auslandszeit, vor einer Bewerbung, deren Ausgang du nicht in der Hand hast. Oder du begleitest jemanden, dem es gerade so geht: dein Kind, eine Schülerin, eine Klientin. Ein paar Dinge, die mir aus meinem eigenen ersten Wendepunkt geblieben sind:

  • Sammle erst mal Informationen, bevor du dich festlegst. Es hat mir immer geholfen, mir einen Überblick über meine Möglichkeiten zu verschaffen, statt mich zu früh auf einen einzigen Weg zu versteifen – Messen, Veranstaltungen, Gespräche, alles hat mit reingespielt.
  • Eine Absage ist enttäuschend – und darf das auch sein. Die Absage aus Schottland hat mich damals wirklich getroffen. Ich musste sie nicht sofort „positiv umdeuten“. Aber mit etwas Abstand zeigt sich oft, dass sie den Weg für etwas frei gemacht hat, das besser passt.
  • Der beste Hinweis kommt manchmal nicht aus der eigenen Recherche. Der entscheidende Tipp für England kam über einen Kontakt meiner Mama, ganz beiläufig. Es lohnt sich, offen zu bleiben und auch im eigenen Umfeld zu erzählen, wonach man sucht.
  • Du musst die Richtung nicht von Anfang an kennen. Ich bin ohne klaren Berufswunsch nach England gegangen. Die Richtung hat sich erst durch das Tun gezeigt, nicht vorher im Kopf.
  • Wenn du jemanden an diesem Punkt begleitest: Am meisten hilft oft nicht der fertige Ratschlag, sondern Raum für die Enttäuschung über eine Absage – und gleichzeitig das Vertrauen, dass sich daraus etwas Neues entwickeln kann, auch wenn das im Moment noch nicht zu sehen ist.

Wie es für mich weiterging, nachdem mein erster Plan nicht aufgegangen ist, erzähle ich dir im nächsten Beitrag – denn genau daraus entstand mein zweiter, entscheidender Wendepunkt.


Steht auch dein Leben gerade an so einem Punkt, an dem sich etwas verändern will, aber der nächste Schritt noch unklar ist? Ich begleite dich gern dabei, Klarheit zu finden. 

Perspektivwandlerin | Systemisches Coaching & Familienaufstellung | Magdeburg | Juliane Vopel

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